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Die Komponistin beschreibt ihre Kompositionsweise am Beispiel der Entstehung des musikalischen Zyklus zur Erzählung Café Zeitvergessen:

Eva Batt
„Es ist mir seit jeher ein tiefes Bedürfnis, Erlebnisse, Gefühle und Stimmungen in eine musikalische Sprache zu transformieren und Atmosphärenbilder zu malen.

Die Vertonung literarischer Werke liegt mir deshalb besonders nahe, da ich in diesem Genre kompositorisch meiner Phantasie entlang eines ‚roten Fadens‘ freien Lauf lassen kann.

Als ich Christiane Schwarzes Episodenerzählung Café Zeitvergessen las, entstand in mir der Wunsch, dieses Mal ein mehrteiliges Musikwerk zu komponieren, welches dem Sinnzusammenhang der Erzählung folgen sollte. Mich faszinierte die surreale Erzählweise, die zudem noch genreübergreifend mit Elementen von lyrischer Prosa, Satire und modernem Märchen verwoben ist.

Diese literarische Vielfalt inspirierte mich, ein Werk in der Tradition von Tondichtungen für Kammermusikbesetzungen zu komponieren. (Wie z.B. Arnold Schönberg – 1899 Verklärte Nacht, Leoš Janáček –  ca. 1910 Pohádka, Paul Juon – 1920 Klaviertrio Litaniae).

Allerdings wollte ich eine mit dem Café Zeitvergessen korrelierende ‛Dichtung in Tönen’ für eine kammermusikalische Jazz-Besetzung schreiben: für Piano, Kontrabass und Schlagzeug / Perkussion.

Entstanden ist ein Zyklus von zehn Musikstücken. Sie folgen in der Regel einer Skalenbezogenheit, nur selten der traditionellen Funktionsharmonik.

Unter den Kompositionen befinden sich zum einen solche, die in ‛klassischer Manier’ Ton für Ton ausnotiert sind z.B. die Ouvertüre, Am Kirschholztisch oder Träume Anderer.

Bei Café Z. und den Introduktionen (Intros) einzelner Stücke handelt es sich hingegen um freie Improvisationen. Café Z. liegt lediglich die Harmonik der Ouvertüre zugrunde, deren Ablauf allerdings in umgekehrter Reihenfolge vollzogen wird.

Bei dem Stück Am Kirschholztisch wurden modulartige Melodiefragmente verwendet. Fast an einen Kanon erinnernd ist stets eine dreistimmige Melodie zu hören, die im Wechsel von Piano und Bass aufgegriffen wird.

Alle anderen Stücke sind schließlich eine Verflechtung aus notierten Melodien, vorgegebenen rhythmischen Grooves, ausgewählten Tonfolgen (Skalen) und frei improvisierten Abschnitten.

Grundsätzlich reizvoll ist für mich das Spannungsfeld, welches sich einerseits aus einem von mir erdachten Rahmen und andererseits aus freien interaktiven Dialogen zwischen den beteiligten Musikerinnen ergibt. Dadurch treten Bass und Schlagzeug aus dem Schatten einer konventionell begleitenden Funktion und agieren zusammen mit dem Piano als gleichwertige Instrumente."

 

Zum Hörbuch - Café Zeitvergessen