Parlament der Reiher

 

Rücken aschgrau mit weißen Bändern.
Weithin erschallt „kräik“.

Schwarze Haube, rote Augen.
„Qua“ – die Stimme erinnert an Raben.

Selten zu hören, hoch und kurz „krrek“.
Kopf und Hals seitlich rotbraun, auf dem Hals schwarze Längsstreifen.

Nur dann und wann ein heiseres „Rha“.
Weiße Federn, tiefschwarze Beine, gelbe Füße.

Gedrungene Gestalt mit kurzem, dickem Hals.
Gefieder scheckige Brauntöne.
Nicht zu überhören die dumpfen Lockrufe „buubmb, buubmb“.

Jede Partei betont die Unterschiede.
Leugnet, zur Ordnung der Schreitvögel zu gehören,
deren Gemeinsamkeit ein dolchförmiger Schnabel ist.

Fische wählen den Schlund, der ihnen reichlich vorverdaute Nahrung verspricht.
Werden sie später behaupten, das Staksen mit langen Beinen, gesenktem Kopf und S-förmig gebogenem Hals nicht bemerkt zu haben?
Oder erklären: „Es war gut, dass sie Insekten fraßen. Und Molche, Frösche, Schlangen sind schließlich Molche, Frösche, Schlangen!“
Silbrige Schwärme stürzen sich auf ausgewürgte Artgenossen.
Die Luft erfüllt von Krächzen:
„In diesem Teich können Fische frei wählen!“

 © Christiane Schwarze

 

Erschienen in der Anthologie Lyrik der Gegenwart | Band 79

im Rahmen des Feldkircher Lyrikpreises 2018 (Auswahl der besten Werke)

Edition Art Science | St. Wolfgang | Österreich
ISBN 978-3-902864-87-1

 

"das sprechen dort treibt luftwurzeln"  (...) war die thematische Grundlage für die Einreichungen 2018.

"Der Feldkircher Lyrikpreis hat sich bewährt in seiner unabhängigen Einzigartigkeit. In Zeiten der Bestechlichkeiten bleibt er unbestechlich, so wie die Jury unbestechlich ist. (...) Die Jury hat den Mut, nicht Personen zu "bepreisen". Sie "bepreist" anonym eingereichte Gedichte. Möge dieser Mut auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Wurzeln fassen."